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Kontroverse Theologie
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Donnerstag, den 17. November 2011 um 00:00 Uhr

Herzlich Willkommen auf der Homepage

von

Mag. theol. Matthias Roser


 

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Weitere Informationen unter:  http://www.s251381789.online.de/

Lebenslauf

geboren am 19.05.1964 in 78048 VS - Villingen

1983 Abitur am Gymnasium am Hoptbühl in 78048 VS-Villingen

1984-1991 Studium der Evangelischen Theologie an der Kirchlichen Hochschule Berlin, HU Berlin und FU Berlin

1985-1988 Lehrbeauftragter für Latein an der Kirchlichen Hochschule Berlin

1991 Mag. theol. an der Kirchlichen Hochschule Berlin

Thema der Magisterschrift: Beitrag und Bedeutung von Hans Lokies für das “Berliner Modell” des Religionsunterrichts. Eine Rekonstruktion in religionspädagogischem Interesse (Prof. Grethlein/Prof. Bloth).

seit 1991: Lehrer für Evangelischen Religionsunterricht

seit 2008: Leiter des interdisziplinären Seminarkurses (Evangelische Religion/Geschichte/Politische weltkunde) in der gymnasialen Oberstufe an der Clay-Oberschule (Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe) in Berlin – Neukölln

seit 1999:

Fachbereichsleiter Religion an der Clay-Oberschule/Neukölln

Mentorenausbildung am Institut für Katechetischen Dienst der EKiBB (EKBO)

seit 1997 Mentor und anleitender Lehrer für Kolleginnen und Kollegen verschiedener Ausbildungsrichtungen im Bereich des Ev. Religionsunterrichts der EKBO

seit 2000: Umfangreiche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und der Fort-und - Weiterbildung (Themenschwerpunkte: Evangelikalismus und Fundamentalismus; Dialog von Glaube und Naturwissenschaften; Theologiegeschichte der USA; Islam und Islamismus)

seit 2010: Initiator und Koordinator des Modellversuchs "Religion und Kultur" an der Clay-Oberschule/Berlin - Neukölln

seit 2010: religionspädgogischer Koordinator des "Dualen Lernens" in der Sekundarschule an der Clay-Oberschule/Berlin - Neukölln

seit SoSe 2011 Lehrbeauftragter am Fachbereich Evangelische Theologie der TU Dortmund.

 

Lehrveranstaltungen:

a) SoSe 2011: Grundstrukturen des protestantischen Fundamentalismus in den USA und im deutschsprachigen Raum

b) WiSe 2011/2012: Didaktik und Methodik des Religionsunterrichts

c) WiSe 2011/2012: Einführung in die Schulseelsorge

Laufendes Dissertationsprojekt an der TU Dortmund (Lehrstuhl Prof. Basse): Studien zur Theologie - und Frömmigkeitsgeschichte des deutschsprachigen Kreationismus seit Mitte der 1960er Jahre


Akademische Mitgliedschaften:

Karl - Heim - Gesellschaft: http://www.karl-heim-gesellschaft.de/

Religion and Science Network Germany :http://www.rsng.de/aktuelles/rsng/index.php

AG EvoBio- Evolution in Biologie, Kultur und Gesellschaft: http://ag-evolutionsbiologie.de/

Verein für Freikirchenforschung: http://www.freikirchenforschung.de/

 

Forschungsschwerpunkte:

Theologie - und - Frömmigkeitsgeschichte des Kreationismus

Geschichte und Gegenwart des Evangelikalismus und christlichen Fundamentalismus

Der Dialog von Glaube und Naturwissenschaft

Apologetik als religionspädagogische Kompetenz

Christlicher Fundamentalismus und Islamismus im Vergleich

Atheismus und Neo-Atheismus

 

Vortragsangebote:

Der Kreationismus -historische Wurzeln - gesellschaftliche Wirkung - theologischer Widerspruch

Der Kreationismus in der Bundesrepublik Deutschland und den USA - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Christlicher Fundamentalismus und Islamismus - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Die Chicago - Erklärung zur Irrtumslosigkeit und Unfehlbarkeit der Bibel (1978) - Ein grundlegendes Dokument zur Theologiegeschichte des christlichen Fundamentalismus

Theologische Apologetik und religionspädagogische Kompetenzentwicklung

Kreationistische/fundamentalistische Positionen im Religionsunterricht - wie damit umgehen?

Was will der "Neoatheismus" - und wie kann evangelische Theologie und christlicher Glaube darauf antworten?

 

Speeches and Lectures:

My speeches and lectures are available also in English. If you are interested, please contact me.

Current topics of my speeches and lectures concerning evolution and the christian doctrine of creation are :

  1. What does evolution mean?
  2. The book of Genesis and evolution theory - a contradiction?
  3. The History of Creationism in Germany since 1970 (part of my Ph.D.thesis , which will appear in 2012)
  4. Creationism and Intelligent Design in Germany - a current topic also in 2011?
  5. Creationism and Education in Germany - What is the situation?

Current topics of speeches and lectures concerning Evangelicalism and Fundamentalism:

  1. Evangelicalism and Fundamentalism in Germany - Are there any differences?
  2. Christian Fundamentalism and Education - The situation in Germany
  3. The Roots of Christian Fundamentalism in Germany: The Inerrancy and Infallibility of the Bible and Dispensationalism
  4. The Chicago Statement on Biblical Inerrancy (1978) - what happened in Germany?

 

Aktuelle Publikationen:/My current books

Es gibt (k)einen Gott. Umfassende Materialien zum Thema Gottesfrage, Atheismus und Agnostizismus. Erscheinungsdatum Juni 2011

Wenn es einen Gott gäbe, wie kann er dann so viel Tod, Leid und Schmerz zulassen? Gehen Sie gemeinsam mit Ihren Schülern dieser spannenden Frage nach und beleuchten Sie die atheistischen/agnostischen (auch modernen) Klassiker und die möglichen Antworten der Theologie bzw. des Glaubens. Hierbei lernen die Schüler neben wissenschaftlichem Arbeiten, kontroverse Positionen zu überprüfen und kritisch zu betrachten. In der Diskussion über die säkulare Religionsgeschichte der Moderne und den neuen Atheismus entwickeln und reflektieren Ihre Schüler eigene religiöse Standpunkte und lernen, diesen auch zu vertreten.

Der vorliegende Band ist fundiert recherchiert. Die vielfältigen Unterrichtsmaterialien sind mit methodisch-didaktischem Kommentar versehen und umfassen zahlreiche Quelltexte, kommentierte Internetlinks, Rechercheaufträge, Arbeitsblätter, Fragestellungen sowie Ideen zu Filmen. Ein besonderes Anliegen des Buches ist die Möglichkeit zum fächerübergreifenden Unterricht.

Zwischen Glaube und Besessenheit. Umfassende Materialien zum Fundamentalismus in Christentum und Islam, Auer -Verlag Donauwörth 2010

Fundamentalisten sind allesamt Spinner – oder etwa nicht? Religiöser Fundamentalismus wird nicht nur in den Medien heiß diskutiert. Anhand dieser aktuellen Debatte zu den Lernplanthemen Weltreligionen und Werteorientierung lernen die Schüler neben wissenschaftlichem Arbeiten, kontroverse Positionen zum christlichen, jüdischen und islamischen Glauben zu überprüfen und kritisch zu betrachten. Dabei entwickeln und reflektieren sie ihren eigenen religiösen Standpunkt und lernen, diesen auch zu vertreten. 

Gehen Sie gemeinsam mit Ihren Schülern den spannenden und religionsvergleichenden Fragen nach, wie Fundamentalismus entstanden ist und wie er sich weiterentwickelt hat und versuchen Sie dieses Phänomen zu deuten und zu erklären. Zusammen entwickeln Sie außerdem Argumentationsstrukturen gegen fundamentalistische Axiome und Forderungen. 

Der vorliegende Band ist fundiert recherchiert und berücksichtigt sowohl die evangelische als auch die katholische Perspektive. Die vielfältigen Unterrichtsmaterialien sind mit methodisch-didaktischem Kommentar versehen und umfassen zahlreiche Quelltexte, kommentierte Internetlinks, Rechercheaufträge, Arbeitsblätter, Fragestellungen und Klausurvorschläge mit Erwartungshorizont in Stichwörtern, Angaben zu Filmen zum Thema und Ideen, wie die Schüler das Gelernte durch Interviews und Umfragen vertiefen und daraus einen eigenen Beitrag gestalten können. 

Ein besonderes Anliegen des Buches ist die Möglichkeit zum fächerübergreifenden Unterricht.

Eine aktuelle Rezension:

Der Verfasser, ist Religionslehrer in Berlin und unterrichtet seit drei Jahren einen fächerübergreifenden Grundkurs in der gymnasialen Oberstufe. Dieser interdisziplinäre Ansatz (Theologie/Geschichte/Politische Weltkunde) spiegelt sich auch in diesem grundsolide gearbeiteten Band wieder. Der erste Teil des Bandes beschäftigt sich intensiv mit den theologiegeschichtlichen Wurzeln und Ausprägungen des christlichen Fundamentalismus. Der Verfasser spart auch das aktuell heiß diskutierte Thema Evangelikalismus und Fundamentalismus nicht aus. Der zweite Teil des Bandes beschäftigt sich mit dem politischen Islam (Islamismus). Hier zeigt sich der Verfasser wohlinformiert, ohne in ein billiges Islam-Bashing abzugleiten. Die Schülermaterialien sind thematisch teilweise recht anspruchsvoll. Gleichzeitig sind die vorgelegten Materialien unverbraucht und ermöglichen den Schülerinnen und Schülern auch eine tiefergehende Beschäftigung mit der Materie. Das Layout ist - wie beim Band Gott vs. Darwin - sehr gut gelungen und zeugt von guter und eingehender Lektorierung; heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit. Unbedingte Kaufempfehlung! Ulma 1000 (libri.de)

Aktuelle Texte zum Download

Ein kreationistischer Klassiker wird 50!- Der Versuch eines Geburtstagsgrusses.(November 2011)

Zusammenfassung:

Zu Beginn wird die Fragestellung aufgeworfen, warum „The Genesis Flood“ bzw. der darin vertretenen „Sintflut-Geologie“ in hohem Grad ein Alleinstellungsmerkmal für die weltweite kreationistische Argumentation seit Mitte des 20. Jahrhunderts zuzusprechen ist. Mit Ron L. Numbers werden die von „The Genesis Flood“ ausgehenden weltweiten Impulse für die Niederlande (Nicolaas A. Rupke, Willem J. Ouweneel), Deutschland und Schweiz (Arthur E. Wilder-Smith), aber auch Australien (Ken Ham und „Answers in Genesis“ ) und Kanada (Earl G. Hallonquest) beschrieben.

Was ist aber „das Geheimnis des Erfolges“ von „The Genesis Flood“? Nach Auffassung des Autors spiegelt sich in „The Genesis Flood“ eine Methode theologischer Argumentation, die einerseits die Frömmigkeit des theologischen Laien und Bibellesers ernst nimmt und ihr ein Orientierungssystem anbietet. Dieses Orientierungssystem verspricht dem theologischen Laien und Bibelleser aber auch, sowohl ganzheitlich als auch eindeutig zu sein und seine gesamte Existenz als Christ und Bürger dieser Welt im Blick zu behalten bzw. ein Erklärungs- und Deutungsmustermuster für die Unüberschaubarkeit und Kontingenzen der Weltläufe zur Verfügung zu stellen. Die vermeintliche Diastase von Glaube und Naturwissenschaft ist in diesem Orientierungssystem nicht mehr virulent, da sie in ein größeres Ganzes (Gottes Plan) hinein dialektisch aufgehoben ist.

Zum Volltext:

http://www.forum-grenzfragen.de/downloads/roser_genesisflood.pdf

Rezension zu:

Paul C. Gutjahr, Charles Hodge. Guardian of American Orthodoxy (Oxford University Press 2011), 477 pages, 54,99€ (Oktober 2011)

Bereits 1970 benannte Ernest Sandeen[1] die beiden grundlegenden theologiegeschichtlichen Quellen der nordamerikanischen protestantisch – fundamentalistischen Bewegung, die dann in den 1920er und 1930er Jahre für große – bis heute nachwirkende – Verwerfungen innerhalb des us-amerikanischen Protestantismus sorgen sollte (genannt seien an dieser Stelle nur die Fundamentalist – Modernist – Controversy und der Scopes – Prozess).

Die beiden – von Ernest Sandeen – benannten Quellen sind einmal das Axiom der Unfehlbarkeit der Bibel „in all it concerns“, d.h. nicht nur in Fragen des persönlichen Heils und der Lebensführung, sondern auch in historischen und naturwissenschaftlichen Fragen.

Die zweite Quelle bildet der Dispensationalismus, sowohl in seiner prämilleniaristischen(J.N.Darby/C.I. Scofield[2]) als auch postmilleniaristischen Spielart.

Das reformatorische Schriftprinzip des sola sriptura wurde maßgeblich im 19. Jahrhundert von der sog. Princeton Theology bis ins Detail als Axiom (!) der Unfehlbarkeit der Bibel „in all it concerns“ ausformuliert.

Nachdem Mark Noll bereits 2001 einen kommentierten Quellenband[3], der bis heute leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde[4] zum Schriftverständnis und zur theologischen Methode der Princeton Theology auf den Markt brachte, war eine wissenschaftliche fundierte Biographie zum Leben und Wirken von Charles Hodge mehr als überfällig, zumal die einzige Biographie zum „Wächter“ der Princeton Theologie (d.h. der presbyterianischen Orthodoxie) über 120 Jahre alt ist und vom Sohn von Charles Hodge, Archibald Alexander Hodge stammt[5].

Der Author Paul C. Gutjahr ist Associate Professor of English, American Studies, and Religious Studies an der University of Indiana[6].

Er zeichnet das Leben und Wirken von Charles Hodge 1797- 1878) auf dem Hintergrund der us-amerikanischen Profan – und Theologiegeschichte des ausgehenden 18. und beinahe des gesamten 19. Jahrhunderts - auf der Basis der umfangreichen Publikationen, die von Hodge existieren und z.T. bis heute nachgedruckt[7] werden , sowie des Nachlasses von Hodge, der sich an der Princeton University bzw. am Princeton Theological Seminary[8] befindet - detailliert nach.

Er möchte Charles Hodge dem Vergessen entreißen, denn:

„While many today may be unaware of Hodge and the enduring influence of his theological legacy, his ghost lingers throughout contemporary American Christianity. This biography is based on the simple premise that few Americans can match the depth, breadth, and longevity of Hodge’s theological influence, and perhaps no single figure is better able to help one appreciate the immensely powerful and hugely complex nature of conservative American Protestantism in the nineteenth, twentieth, and twenty-first centuries than the deeply pious, keenly intelligent, and yet largely forgotten Charles Hodge”[9].

Der Titel des zu rezensierenden Werkes signalisiert dem Leser bereits die mannigfaltigen universitätspolitischen, kirchenpolitischen, systematisch – theologischen und ethischen Aspekte, die durch Leben und Werk von Charles Hodge im Kontext der us-amerikanischen Theologiegeschichte und insbesondere der presbyterianischen (reformierten) Tradition (und der deutschsprachigen evangelikalen Theologiegeschichte?[10]) berührt werden.

In einem gängigen englisch-deutschen online – Lexikon werden als Übersetzungen für den Begriff „guardian“ angeboten:

guardian der Beschützer

guardian der Erziehungsberechtigte

guardian der Hüter

guardian der Pfleger

guardian [law] der Vormund[11]

Paul C. Gutjahr versucht nun durch seine Biographie den Nachweis zu führen, dass Charles Hodge durch sein persönliches Wirken und sein umfangreiches Oeuvre (s.u.) die genannten fünf Funktionen auszufüllen versuchte.

Deutlich destilliert Gutjahr drei unverrückbare Grundüberzeugungen im theologischen Denken von Charles Hodge heraus:

a.) die Überzeugung, die Bibel sei unfehlbar in allen ihren Aussagen: „ (…) Hodge declared (1857 M. R.) that the Bible’s message was infallible in a ‘plenary’ or complete sense. Opposing all notions of partial biblical inspiration, Hodge held the bible to be totally correct and reliable. (…) He held that the Bible’’s content was reliable down to very words employed. If the Bible was indeed an inspired record of truth, Hodge argued that it had to be absolutely correct in every one of its details, and these details extended down to the level of word choice”[12]. Paul C. Gutjahr weist zurecht daraufhin, dass das Axiom der Irrtumslosigkeit der Bibel(„Inerrancy of the Holy Scripures“), wie es bis heute z.B. in der Chicago-Erklärung von 1978 nachwirkt, erst von seinem Sohn zusammen mit Benjamin Breckinridge Warfield[13] ausformuliert wurde[14]. Dieses Axiom der Irrtumslosigkeit der Bibel versucht der Problematik von Abschreibefehlern, angeblichen Widersprüchen und schwer verständlichen Stellen im biblischen Text in den überkommenen griechischen und hebräischen Manuskripten dadurch Herr zu werden, dass eine – wiederum unterschiedlich verstandene und interpretierte -Verbalinspiration Gottes an die Schreiber nach 2. Tim 3,16 für die Originalmanuskripte postuliert wird. Paul C. Gutjahr weist an mehreren Stellen auf die apologetische Funktion dieses Theorems für Hodge und die gesamte Princeton Theology hin. Charles Hodge beschäftigte sich zeitlebens mit der aufkommenden historisch – kritischen Methode im deutschsprachigen Raum und versuchte diese nach Kräften durch diese Form einer biblizistischen Hermeneutik in ihre Schranken zu verweisen.[15]

b.) Das gesamte Oeuvre von Charles Hodge ist weiterhin durch zwei eherne und durchgehende Anliegen geprägt: 1.) eine erkenntnistheoretische Basis des Theologietreibens zu finden bzw. auszuarbeiten, die den Friktionen standzuhalten vermag , die - bedingt durch die Rezeption der Philosophie Kants und des deutschen Idealismus einerseits und der romantischen Theologie Schleiermachers anderseits - innerhalb des presbyterianischen Denomination aufbrechen.

Hodge findet diese Basis nun in der schottischen Common – Sense - Philosophie[16].

Eine beinahe klassische Formulierung der Rezeption des Scottish- Common Sense – Realism durch Hodge findet sich in seinem magnum opus „Systematic Theology“:

„§ 1. Theology a Science.

In every science there are two factors: facts and ideas; or, facts and the mind. Science is more than knowledge. Knowledge is the persuasion of what is true on adequate evidence. But the facts of astronomy, chemistry, or history do not constitute the science of those departments of knowledge. Nor does the mere orderly arrangement of facts amount to science. Historical facts arranged in chronological order, are mere annals. The philosophy of history supposes those facts to be understood in their causal relations. In every department the man of science is assumed to understand the laws by which the facts of experience are determined; so that he not only knows the past, but can predict the future. The astronomer can foretell the relative position of the heavenly bodies for centuries to come. The chemist can tell with certainty what will be the effect of certain chemical combinations. If, therefore, theology be a science, it must include something more than a mere knowledge of facts. It must embrace an exhibition of the internal relation of those facts, one to another, and each to all. It must be able to show that if one be admitted, others cannot be denied.

The Bible is no more a system of theology, than nature is a system of chemistry or of mechanics. We find in nature the facts which the chemist or the mechanical philosopher has to examine, and from them to ascertain the laws by which they are determined. So the Bible contains the truths which the theologian has to collect, authenticate, arrange, and exhibit in their internal relation to each other. This constitutes the difference between biblical and systematic theology. The office of the former is to ascertain and state the facts of Scripture. The office of the latter is to take those facts, determine their relation to each other and to other cognate truths, as well as to vindicate them and show their harmony and consistency. This is not an easy task, or one of slight importance[17].

und:

§ 6. The Scriptures contain all the Facts of Theology.

This is perfectly consistent, on the one hand, with the admission of intuitive truths, both intellectual and moral, due to our constitution as rational and moral beings; and, on the other hand, with the controlling power over our beliefs exercised by the inward teachings of the Spirit, or, in other words, by our religious experience. And that for two reasons: First, All truth must be consistent. God cannot contradict himself. He cannot force us by the constitution of the nature which He has given us to believe one thing, and in his Word command us to believe the opposite. And second, All the truths taught by the constitution of our nature or by religious experience, are recognized and authenticated in the Scriptures. This is a safeguard and a limit. We cannot assume this or that principle to be intuitively true, or this or that conclusion to be demonstrably certain, and make them a standard to which the Bible must conform. (…)

The true method of theology is, therefore, the inductive, which assumes that the Bible contains all the facts or truths which form the contents of theology, just as the facts of nature are the contents of the natural sciences. It is also assumed that the relation of these Biblical facts to each other, the principles involved in them, the laws which determine them, are in the facts themselves, and are to be deduced from them, just as the laws of nature are deduced from the facts of nature. In neither case are the principles derived from the mind and imposed upon the facts, but equally in both departments, the principles or laws are deduced from the facts and recognized by the mind”[18].

Paul C. Gutjahr weist zu Recht auf das indirekte Erbe von Charles Hodge im amerikanischen und deutschsprachigen Evangelikalismus/Fundamentalismus (M.R.) hin. Er schreibt: „Scottish Realism provided Hodge with an unshakeable belief in the human ability to arrive at a right conception of the truth by using one’s mind to shift through the evidence the world presented to one’s senses. Hodge’s twin convictions that sensory input was reliable and that god has provided clear to his presence in the world became cornerstone beliefs for much of the twentieth-century American Evangelical theology”[19].

Durch dieses abschließende Zitat stellt Gutjahr dem Theologiehistoriker auch die Aufgabe, genauer als bisher geschehen, zu rekonstruieren, auf welche Weise und vermittelt durch welche Autoren und Publikationen die Scottish Common Sense Philosophie z.B. im deutschsprachigen Kreationismus als Unterströmung nach wie vor virulent ist.

Bemerkenswert ist auch Gutjahrs Exegese der Hodge – Monographie: „What is Darwinism“ (1874). Gutjahr weist minutiös nach, dass Hodge den Versuch unternimmt, mit Hilfe der Natur – Philosophie William Paleys gegen Darwin und dessen Evolutionstheorie zu argumentieren und damit eine Repristination des physiko-theologischen Gottesbeweises vornimmt.[20]

Leider verfolgt Gutjahr die damit gelegte Spur zum bis heute kontrovers diskutierten Intelligent-Design – Argument (Michael Behe, William Dembski, Dover Trial) nicht weiter.

2,)Um die Einheit der presbyterianischen Denomination zu bewahren[21] setzte sich Hodge als Vertreter der sog. „Old School“ sehr kritisch und ablehnend mit jeglichen Explikationen erwecklicher Theologie und Frömmigkeit bzw. charismatischer Frömmigkeit und Theologie auseinander. Hier liegt auch der Unterschied zum „New Calvinism“ der Gegenwart[22], der bewusst diese Frömmigkeitsformen in sein Gedankensystem zu integrieren versucht. Die Ausführungen von Gutjahr hierzu sind sehr luzide und informativ[23]. Der Leser erfährt und lernt bei der Lektüre der vorliegenden Biographie noch en passant eine Menge über die Theologiegeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika im 18./19. Jahrhundert.

c.)Charles Hodge verstand sein riesiges Opus (vgl. seine teilweise den Umfang einer Monographie überschreitenden Beiträge zur und in der von ihm herausgegebenen Princeton Review[24])“nur“ als sachgerechte Exegese und Applikation des Westminster Longer[25] and Shorter Catechism[26] (1642-1647) und der Westminster Confession (1646)[27].

Hodges Theologie war durchgehend von einem strikten Anti- Arminianismus geprägt. Sein Anliegen war es, zum einen die absolute Souveränität Gottes zu betonen und die Beteiligung des Menschen an seiner eigenen Erlösung vollkommen zu negieren.

„ In fact, it is nearly impossible to overstate the importance of the Westminster Confession on Hodge’s thought. (…) His later contributions to American theology largely consist of carefully reasoned defenses of the confession’s most central stances on the absolute supremacy of God and his sole prerogative to save only those he wished, the absolute nature of human sinfulness inherited from Adam, the absolute culpability of all humanity for Adam’s first disobedience, the absolute inability of humans to pursue their salvation without first being touched by God’s mercy, and the absolute efficacy of Christ’s work on the cross as the only means of paying the penalty humanity had incurred in rebelling against God. These absolutist beliefs comprised the core of Hodges’s theology.”[28]

Dass Charles Hodge trotz seines Bemühens, eine überzeitliche, nicht kontextgebundene bzw. nicht kontextabhängige Theologie zu formulieren, dennoch ein Kind seiner Zeit war, macht Gutjahr an der Erörterung und de facto Verteidigung der Sklaverei durch Hodge deutlich: „For Hodge, the ultimate arbiter of moral choice was the Bible, and if the Bible was as best silent on the issue of slavery, it went beyond the purview of the church to mandate a radical abolitionist course of action“[29].

Fazit:

Bei dem zu rezensierenden Werk handelt es sich um eine flüssig und im besten Wortsinn unterhaltsam geschriebene, fundiert gearbeitete Biographie, die sicher im Bereich der Hodge-Forschung Standards setzen wird. Besonders positiv hervorzuheben sind die zahlreichen Illustrationen und Fotographien im Text, die etwas vom Zeitgeist der Hodge - Ära deutlich werden lassen. Allerdings hätte sich der Rezensent gewünscht, dass Paul C. Gutjahr das theologiegeschichtliche und mentalitätsgeschichtliche Erbe (The Legacy) des „Guardian of American Orthodoxy“ deutlicher und ausführlicher akzentuiert hätte.



[1] Ernest R. Sandeen, The Roots of Fundamentalism, British and American Millenarianism, 1800-1930 (Chicago: University of Chicago Press, 1970)

[2] Larry V. Crutchfield, The Origins of Dispensationalism: The Darby Factor,: University Press of America, 1992

[3] Noll, Mark A., ed. (2001). Princeton Theology, 1812-1921: Scripture, Science, and Theological Method from Archibald Alexander to Benjamin Warfield. Baker Publishing Group. ISBN 0-8010-6737-5

[4] Ein solcher Quellenband, der maßgebliche theologiegeschichtliche Quellen des us-amerikanischen Evangelikalismus und Fundamentalismus kommentiert und in Übersetzung anbietet ist für den deutschsprachigen Raum ein dringendes Desiderat und wird vom Rezensenten für den Herbst 2012 vorbereitet.

[5] Hodge, A. A. (1880). The life of Charles Hodge: Professor in the Theological seminary, Princeton, N.J. C. Scribner's sons. Reissued 1979 by Ayer Co. Pub. ISBN 0-405-00250-5

[7]Das magnum opus von Hodge wurde 1999 nochmals nachgedruckt: Systematic Theology. Hendrickson Publishers (1999). ISBN 1-56563-459-4

[8] vgl. die digitale Bibliothek des Princeton Theological Seminary: http://digital.library.ptsem.edu/

[9] http://mypage.iu.edu/~pgutjahr/hodge.html

[10] Es wäre sicherlich ein lohnendes konfessionskundliches Unterfangen, einmal genauer zu überprüfen, inwieweit und ggf. mit welcher Zielsetzung die Theologie und Frömmigkeit von Charles Hodge im reformierten Spektrum des deutschsprachigen Evangelikalismus rezipiert wurde und wird. Ausgangspunkt einer solchen Recherche könnte z.B. das Martin – Bucer – Seminar und die Akademie für Reformatorische Theologie sein.

[11] http://dict.leo.org/

[12] Gutjahr, S.274

[13] vgl. http://www.bible-researcher.com/warfield4.html

[14] Gutjahr, S.275

[15] Gutjahr, S.275 und explizit die Beschreibung der Studienreise von Hodge nach Deutschland 1826 – 1828 auf den Seiten 101ff

[16] Gutjahr S.38-42 und passim

[18] a.a.O.

[19] Gutjahr S. 383

[20] Gutjahr S. 365ff

[21] zum Schisma von 1837 S. 176ff und zum Hintergrund: http://history.pcusa.org/history/history.cfm bzw. in Form einer Monographie: Lefferts A. Loetscher, A Brief History of the Presbyterians. Fourth edition with a new chapter by George Laird Hunt. Philadelphia: Westminster Press, 1983.

[22] vgl. den Blog von Ron Kubsch, Dozent am Martin – Bucer- Seminar: http://www.theoblog.de/%C2%BBneuer-calvinismus%C2%AB-bucher-mit-einfluss/11073/ (abgelesen am 2.06.2011);

[23] Gutjahr S. 39-41 und passim zu Hodges Auseinandersetzung mit der Theologie von Jonathan Edwards

[24] viele Beiträge zur Princeton Review sind mittlerweile verfügbar unter: http://quod.lib.umich.edu/m/moajrnl/browse.journals/prin.html

[25] http://www.reformed.org/documents/wlc_w_proofs/index.html?mainframe=/documents/wlc_w_proofs/index_wlc_fs.html&main=/documents/wlc_w_proofs/WLC_Intro.html

[26] http://www.shortercatechism.com/

[27] die Fassung von 1646 ist online verfügbar unter: http://www.reformed.org/documents/index.html?mainframe=http://www.reformed.org/documents/westminster_conf_of_faith.html

[28] Gutjahr, S. 16f und passim

[29] Gutjahr S. 173

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 23. Dezember 2011 um 10:33 Uhr
 
Bibliographie: Mag.theol. Matthias Roser PDF Drucken E-Mail
Bibliographische Notizen
Donnerstag, den 27. Mai 2010 um 00:00 Uhr

Publikationen in chronologischer Reihenfolge

 

Theologiegeschichte/Geschichte der Religionspädagogik

  • Beitrag und Bedeutung von Hans Lokies für das “Berliner Modell” des Religionsunterrichts. Eine Rekonstruktion in religionspädagogischem Interesse. Magisterschrift (unveröffentl.), Berlin 1991
  • Religionsunterricht in (West)-Berlin 1945/46. Zur Transparenz eines singulären Modells, in BThZ 9. Jg. H. 1/1992, 41 - 49
  • zus. mit Christa Jancik, Neukölln 1945 (Arbeitsmappe mit Materialien für Schüler und Lehrer), in: Bezirksamt Neukölln/Abt. Volksbildung (Hg.), Materialien zur Geschichte Neuköllns, 1996
  • Religionsunterricht und PISA-E .Einige vorläufige Bemerkungen in religionspädagogischem Interesse, in: http://www.theophil-online.de/philipp/phil.htm (2001)
  • Art. Friedrich Lahusen, in RGG (Religion in Geschichte und Gegenwart) 4. Aufl., 2002
  • Art. M.F.E. von Nathusius, in RGG, 4. Aufl. 2003
  • Art. G. von Rohden, in RGG, 4. Aufl. 2004
  • Art. O.A. Dilschneider, in : BBKL (Biographisch - Bibliographisches Kirchenlexikon) Bd. 21, 331-334 , 2003: http://www.bautz.de/bbkl/d/dilschneider_o_a.shtml
  • Art. F.-W.Haack, in BBKL (2003): http://www.bautz.de/bbkl/h/haack_f_w.shtml
  • Rez. zu Michael Rißmann, Hitlers Gott - Vorsehungsglaube und Sendungsbewußtsein des deutschen Diktators, Zürich/München 2001, in: MD der EZW    12/2001, 423f
  • Art: Hans Lokies, erscheint im BBKL (Dezember 2011)
  • Art: Gerhard v. Zezschwitz, erscheint im BBKL: (Dezember 2011)

Glaube und Naturwissenschaft

  • Rez. zu Brian Greene, Das elegante Universum, Berlin 2002, in MD der EZW 8/2002, 253-255
  • Rez. zu Andreas Benk, Moderne Physik und Theologie. Voraussetzungen und Perspektiven eines Dialogs, Mainz 2000, in MD der EZW 1/2003, 35-38
  • Kreationismus und Intelligent – Design: Ein Tagungsbericht: Evangelium und Wissenschaft virtuell 1/2008
  • Gott oder Darwin: Schöpfung und Evolution im Kontext des christlichen Fundamentalismus. Eine Unterrichtsskizze für die Kursphase , erscheinen in: ru – intern: Informationen für evangelische Religionslehrerinnen und – lehrer in Westfalen und Lippe im Mai 2008. Dieser Text ist online verfügbar unter: www. medienhaus-bielefeld.de/fileadmin/images/buecherundlesen/lutherverlag/UnterrichtsentwurfRoser.pdf
  • „Atheisten aller Länder vereinigt euch“? Einige Bemerkungen zum Umgang Ulrich Kutscheras mit Glaube und Theologie,  in: Evangelium und Wissenschaft. Beiträge zum interdisziplinären Gespräch. 28. Jahrgang. 2008, Heft 1 (Mai 2008), S.27-44
  • „Der Sinn des Lebens und der Sinn des Universums“. Eine Skizze der Theologie des Templeton – Preisträgers 2008 Michal Heller, erschienen in: E+W virtuell 3/2008
  • Gott vs. Darwin: Umfassende Materialien zur Kontroverse um Schöpfung und Evolution für die Sek.II und die Erwachsenenbildung, AUER - Verlag, Donauwörth, 2009, 2. Auflage 2010
  • Die Diskussion um Kreationismus und Intelligent Design in der Bundesrepublik Deutschland (Arbeitstitel): Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt , (Winter) 2012

Konfessionskunde/ Theologiegeschichte mit den Schwerpunkten Evangelikalismus/Fundamentalismus

  • Die Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel, 1979. Ein zentrales Dokument christlich - fundamentalistischer Theologie. Historische Wurzeln -  aktuelle Wirkungen  - theologischer Widerspruch. Dieser Text wird im Herbst 2011 im Materialdienst der evangelischen Zentralstelle für Weltanschuungsfragen /Berlin erscheinen.
  • Zwischen Glaube und Besessenheit - umfassende Materialien zum Phänomen des religiös begründeten Fundamentalismus im Christentum und Islam (Klasse 11-13):Auer - Verlag, Donauwörth, Mai 2010
  • "The Genesis Flood" - 50 Jahre danach, online unter: http://www.forum-grenzfragen.de/downloads/roser_genesisflood.pdf
  • Evangelikalismus und Fundamentalismus in den USA und in Deutschland . Ein Arbeits - und -Quellenbuch für den akademischen Unterricht.  Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen, 2012

Atheismus und "Neo- Atheismus"

  • "Atheisten aller Länder, vereinigt euch"? Einige Beobachtungen zu Ulrich Kutscheras Auseinandersetzungen mit Glaube und Theologie, in: Evangelium und Wissenschaft 29 (1), 2008, S. 27-44

  • Es gibt (k)einen Gott?!Umfassende Materialien zum Thema Gottesfrage, Atheismus und Agnostizismus; Auer- Verlag Donauwörth 2011
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 23. Dezember 2011 um 10:13 Uhr